Kritik - Schülerkonzert 2010

 

Frankfurter Neue Presse/Taunus Zeitung

16. März 2010

Junge Virtuosen lassen Flügel reagieren
Von Almuth Link

Klavierpädagoge Rolf Kohlrausch hatte zum «Werkstattkonzert» geladen. Das Publikum war begeistert.

 

Bad Homburg. Wenn man besonders herausragende Leistungen musizierender Kinder und Jugendlicher würdigt, sollte man auch – vielleicht sogar in erster Linie – die Leistungen ihres Lehrers erwähnen. Ist es doch an ihm, seine Schüler auf Dauer bei der Stange zu halten. Denn kindliche Begeisterung erweist sich häufig als eine Art Kurzzeit-Begeisterung.

 

Rolf Kohlrausch, Konzertpianist, Dozent und anerkannter Klavierpädagoge, hat offensichtlich die Gabe, seine Schüler so zu motivieren, dass sie die Last des Übens anhaltend auf sich nehmen. Er steckt sie mit seiner Liebe zur Klaviermusik an und weckt durch seine jährlichen Schülerkonzerte ihren Ehrgeiz: Da gibt es den Lohn durch ein begeistertes Publikum und viel Applaus und Verbeugungen.

 

Den Anfang des diesjährigen Schülerkonzertes machten Niklas Dietrich (8 Jahre), Gina Murchison (9), Vinzent Frahm (9) und Isabelle Kern (12). Sie trugen, teils auswendig, hübsche Stücke aus modernen Klavierschulen vor, schon jetzt mit einer erstaunlich soliden Technik ausgestattet und einer sauber ausgearbeiteten Gestaltung.

 

Verwirrender Brahms

Der 16-jährige Moritz McAuliffe spielte die Rhapsodie g-moll op.79,2 von Johannes Brahms. Um die Fülle kontrapunktischer und satztechnischer Feinheiten kommt niemand herum, der sich mit Brahms beschäftigt. Reich und überströmend ist seine Musik, aber auch verwirrend und für den Interpreten eine gefürchtete Gedächtnisleistung. Moritz ist seiner Aufgabe nicht nur voll und ganz gerecht geworden, sondern es war ein großes Vergnügen, ihm zuzuhören.

 

Isabella Krupp (15) trug von Mendelssohn Bartholdy das «Venetianische Gondellied» und von Beethoven den 1. Satz der Pathetique e-moll op.13 vor. Dass sie Preisträgerin im Regionalwettbewerb «Jugend musiziert» war, verwundert nicht. Unter ihrem auffallend sensiblen Anschlag fängt der Flügel regelrecht zu «singen» an, oder es erklingen Glocken oder dumpfe Schläge. In große Klänge kniet sie sich voll hinein, lässt sie anschließend in perlenden Läufen ausklingen. Phrasierungen und dynamische Wechsel entstehen wie von selbst. Der Flügel reagiert. Genau das will der Lehrer erreichen.

 

Cora Adams (16) trug die «Klavierstücke op.118» von Brahms vor. Auch sie ist Preisträgerin bei «Jugend musiziert», auch sie verfügt über eine beachtliche Technik und eine musikalische Reife, die den Hörer beglückt. Melodien spielt sie zauberhaft aus, gesanglich sanft oder tänzerisch schwungvoll. Übergänge in neue Tonarten, neue Stimmungen bringt sie gleitend und selbstverständlich rüber; an keiner Stelle gibt es einen Bruch. Zuletzt spielte eine von Kohlrauschs Studentinnen, Swenja Schekulin (22) und wohl eine kommende Konzertpianistin. Auch sie trug Brahms vor, die «Sieben Fantasien op.16», eine Komposition der Widersprüche. Schmerzliche Empfindungen wechseln ab mit sanften, tröstlichen Sequenzen, klagende Terz- und Sechstgänge lösen sich auf und münden in ein strahlendes Frage-und Antwortspiel zwischen rechter und linker Hand.

 

Kohlrausch nennt seine Schülerkonzerte «Werkstattkonzerte», bei denen er einen Einblick in seine Arbeit gewährt. Dass es sich dabei um solide Technik und zugleich überzeugende künstlerische Impulse handelt, hört jeder, der seine Werkstatt betritt.